Interviews mit Kaisern

Schüler*innen der Klassen 10 des Schubart-Gymnasiums Aalen haben sich mit römischen Kaisern unterhalten.

Römische Herrscherpersönlichkeiten - "große" Männer und Frauen? Warum sollte ein Mensch von heute sich mit den Herrschern der Römer beschäftigen? Sehnen sich auch heute noch viele nach einer starken Persönlichkeit mit Führungsanspruch?

In jüngster Zeit mehren sich die Machthaber, die Regierung mit Absolutheitsanspruch betreiben und die nicht selten rigoros gegen Gegner vorgehen. Fotos, die stark an das imperiale Gehabe von Staatenlenkern früherer Zeiten erinnern, gehen durch die Presse: Machthaber hoch zu Ross, Posieren neben erlegtem Großwild bis hin zum sanktionierten Sturm auf demokratische Einrichtungen.

Sind Herrscher „groß“, wenn sie nur rücksichtlos genug sind?

Auf diesem Bild sind die Büsten diverser römischer Kaiser im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© Stadt Aalen)

Was macht die Faszination dieser Machtmenschen aus? Und gibt es überzeitliche Mechanismen der Macht, die immer funktionieren?

Die römischen Kaiser bedienen einerseits viele Klischees von Machtmissbrauch, andererseits sind sie oft auch erstaunlich „modern“ und bisweilen sogar ein wenig „liberal“. Bürgerrechte und Frauenrechte werden Thema, philosophische Reflexionen über die gute Herrschaft fließen in die Ausübung von Macht ein. Spannungsreich ist die Ambivalenz von Wollen und Wirklichkeit: Der eine Kaiser wollte nie an die Macht und erwies sich dennoch als geschickter Verwalter, der andere war ein feinfühliger Philosoph und verfolgte dennoch die Christen. So kann man aus der historischen Distanz manch Erhellendes für die Gegenwart finden. Dass damals wie heute in einer Person Licht und Schatten sind, zeigt, dass der ideale Mensch und Staatenlenker  wohl eine Illusion bleiben wird.

Kaiser im Hier und Heute

Auf diesem Bild ist die Schülerin Victoria Straub mit einem Mikrofon und der Büste von Kaiser Domitian zu sehen.
Die Zehntklässlerin Victoria Straub im Interview mit Kaiser Domitian. (© Stadt Aalen)

In einer Zeit, in der der Blick vieler in die Tiefe geht, haben die Lateinschüler*innen der Klassen 10 des Schubart-Gymnasiums gemeinsam mit ihrer Lateinlehrerin Simone Robitschko und dem Limesmuseum Aalen den Dialog mit römischen Herrschern von Caesar bis Caracalla gesucht. Inspiriert von den Gussmarmorbüsten im Erdgeschoss des Limesmuseums haben sie Interviews mit den Kaisern entwickelt, die hier nachgehört werden können. Von drei Kaisern gibt es bisher nur kurze Portraits, die Interviews sind noch in Arbeit.

Auf dem Weg zur Alleinherrschaft: Caesar

Auf diesem Bild ist die Büste von Kaiser Caesar im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© ALM)

Im Jahr 100 v. Chr. wurde der wohl bekannteste Römer geboren: Gaius Julius Caesar. Schon in jungen Jahren hatte er Kontakt mit der großen Politik und geriet in Konflikt mit den Machthabern: Der damalige Diktator Sulla befahl ihm, sich von seiner Frau, die eine Tochter des Sulla-Gegners Cinna war, scheiden zu lassen. Caesar lehnte ab! Caesar war ein machthungriger römischer Politiker: Seine Ziele verfolgte er eisern, mitunter rücksichtslos.

So eroberte er Gallien, das das heutige Frankreich, die Niederlande und Belgien umfasste. Er unterwarf unzählige gallische Stämme und schlug Aufstände nieder. Auch vor Kriegsverbrechen schreckte er nicht zurück. Als er deshalb vor Gericht gestellt werden sollte, entschied er sich, seine Armee nicht zu entlassen und lieber einen Bürgerkrieg zu riskieren als angeklagt zu werden. Er überschritt den Rubikon, kämpfte erbittert gegen seinen einstigen Freund Pompeius, den er um das halbe Mittelmeer jagte. Caesar beanspruchte die alleinige Macht – dies stand im krassen Widerspruch zur römischen Republik. Dennoch lehnte er den Titel „König“ ab.  Schlussendlich verbündeten sich zahlreiche  Senatoren gegen ihn und ermordeten ihn mit 23 Dolchstößen.

Simon Rettenmaier 10a, Luca Tagger 10b

Das Interview mit Gaius Iulius Caesar

Der erste Princeps der Römer: Augustus

Auf diesem Bild ist die Büste von Kaiser Augustus im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© ALM)

Caesar ist wohl der bekannteste Römer. Doch wer beerbte ihn, als er ermordet wurde? Der junge Kaiser Augustus, der früher noch Octavius hieß. Er hatte unter Caesar gedient, dieser hatte ihn adoptiert und so rächte er auch dessen Mord. Der junge Mann wollte selbst unbedingt an die Macht und setzte sich in der Schlacht bei Actium gegen Marc Anton durch. Während der Bürgerkriege, die seinen Weg zur Macht markierten, wurden 200 Senatoren und 2000 Leute aus dem Ritterstand hingerichtet. Er richtete eine völlig neue Herrschaftsform ein unter Beibehaltung der alten Strukturen, den Principat.

So gab er dem Senat alle Befugnisse zurück, nur den Oberbefehl  über das Heer und die römischen Provinzen und die Macht über die Stadt Rom behielt er für sich: Mit diesem Trick hatte er sich die ganze Macht gesichert.  Für Rom war Augustus ein Glücksfall: Die Stadt wurde unter Augustus weit ausgebaut, es entstanden viele Aquädukte und Tempel. Unter ihm entstand ein goldenes Zeitalter – das Reich blühte. Allerdings erhielt sein Plan, das Reich bis zu Elbe auszuweiten, einen herben Dämpfer: In der Schlacht im Teutoburger Wald wurde sein Feldherr Varus vernichtend geschlagen und verlor drei Legionen. Der kluge und tatkräftige Augustus starb in hohem Alter durch Krankheit.

Marc Hegele, Julius Eberhard 10b

Das Interview mit Kaiser Augustus

Ein schlechter Kaiser? – Tiberius

Auf diesem Bild ist die Büste von Kaiser Tiberius im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© ALM)

Tiberius war Kaiser von 14 bis 37 n. Chr. Er war der zweite Kaiser des römischen Reiches. Seine Regierungszeit war eine der längsten Alleinherrschaften eines römischen Kaisers. 20 v. Chr. hatte Tiberius sein erstes Kommando während eines Krieges. Es gelang ihm ein großer diplomatischer Erfolg. Er konnte Feldzeichen zurückholen, die die Armee nach schweren Niederlagen verloren hatte. Augustus adoptierte nicht etwa seinen Stiefsohn Tiberius, sondern die Söhne seiner Schwester Julia, Gaius und Lucius. Diese starben aber noch vor ihm. So hat Augustus den „ungewollten“ Tiberius zum Nachfolger ernannt. Tiberius erwies sich als guter und sparsamer Verwalter des Reiches. Er wählte eine konservative Außenpolitik und beendete riskante Offensiven. In den Provinzen baute er die Verwaltung aus. In Notfällen investierte er großzügig in den Wiederaufbau. Nach Katastrophen gab er spendete er sehr großzügig und gewährte Steuererlässe.

Die zahlreichen Prozesse wegen Majestätsbeleidigung machten ihn in den Augen vieler zum Tyrannen. Darüber hinaus soll Tiberius mit sadistischem Vergnügen andere Menschen gequält haben. Personen, die er nicht mochte, ließ er einfach von den Klippen werfen. Am 16. März 37 n. Chr. starb Tiberius als ein höchst unbeliebter Herrscher. Durch zahllose Prozesse gegen Senatoren und Bürger sowie durch hohe Steuern hatte er sich alle Sympathien verspielt.

Dilara Kütük, Valentin Fetahu 10b

Das Interview mit Kaiser Tiberius

Zunächst belächelt … doch erfolgreich: Claudius

Auf diesem Bild ist die Büste von Kaiser Claudius im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© ALM)

Claudius  (41 bis 54 n. Chr.) gelangte als letzter männlicher Nachfolger seiner Familie nach Ermordung Caligulas überraschend an die Macht über das römische Reich. Trotz gesundheitlicher Probleme und  einer schwierigen Jugend erreichte der unscheinbare Kaiser viel: Die Expansion bzw. Stabilisierung des römischen Reiches ist eine seiner Errungenschaften - obwohl er persönlich nicht gern reiste. Zusätzlich schuf er mit Aquädukten, Kanälen und Verkehrswegen eine Infrastruktur, um die Römer mit Nahrung zu versorgen.

Der Kaiser integrierte die Provinzbevölkerung, indem er den Sklaven großzügig Bürgerrechte gab. Andererseits zentralisierte er die öffentliche Verwaltung. Privat war er weniger glücklich und wurde schließlich gar von seiner Ehefrau vergiftet. Sein Erfolg ist auf die damals sehr innovative Kombination politischer Schwerpunkte zurückzuführen: Die außenpolitische Absicherung des Reiches bei liberaler Bürgerrechtspolitik und Sicherung der Grundversorgung durch Infrastrukturmaßnahmen.

Anja Borgmeier, Hannah Jarebica, 10a

Das Interview mit Kaiser Claudius

Schlimme Mutter eines schlimmen Kaisers: Agrippina

Auf diesem Bild ist die Büste von der Kaisermutter Agrippina im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© ALM)

Sie wollten schon immer wissen, wer die Mutter von Nero war und welchen Einfluss sie auf ihren Sohn hatte? Dann sind Sie hier genau richtig! Agrippina gilt als Stadtgründerin Kölns und war die Urenkelin des Augustus. Sie heiratete im Jahr 49 n. Chr. ihren Onkel Claudius. Da dies aber ursprünglich verboten war, ließ sie ein Gesetz ändern, damit ihr nichts mehr im Weg stand. Sie war außerdem die erste Römerin, der der Titel „Augusta“ noch zu Lebzeiten verliehen wurde. Diesen Titel bekam sie von ihrem Onkel und Ehemann Claudius. Agrippina war eine herrschsüchtige Ehefrau und Mutter. Im Jahr 54 n.Chr. ließ sie Claudius ermorden. Möglicherweise nicht ihr einziger Mord.

Anstelle von Agrippina wurde jedoch Nero der nächste Machthaber Roms. Die ersten fünf Regierungsjahre Neros waren aufgrund des Einflusses seiner Ratgeber, des Philosophen Seneca und des Prätorianerpräfekten Burrus, eine Blütezeit. Aber auch seine Mutter Agrippina übte in den ersten Jahren seiner Herrschaft starken Einfluss auf ihn aus. Später entzog sich Nero dem Einfluss seiner Mutter und verließ sich auf andere Ratgeber. Schließlich ließ er seine Mutter im Jahr 59 n. Chr. ermorden und inszenierte dies als einen Unfall.

Rea-Franziska Markgraf, Michelle Meinecke, 10a

Das Interview mit der Kaiser-Mutter Agrippina

Ein Despot mit Größenwahn: Domitian

Auf diesem Bild ist die Büste von Kaiser Domitian im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© ALM)

Titus Flavius Domitianus (Domitian) wurde 51 n. Chr. in Rom als Sohn von Kaiser Vespasian geboren. Er hatte einen Bruder, Titus, zu dem er jedoch kein gutes Verhältnis hatte. Da dieser kinderlos starb, wurde Domitian sein Nachfolger. Domitian wurde als schlechter Princeps angesehen, da er den Senat aus politischen Entscheidungen heraushielt und diesen schlecht behandelte. Sich selbst ließ er hingegen als Dominus et Deus – als Herr und Gott – anreden. Domitian galt als sehr paranoid und ließ jeden Verdächtigen hinrichten. Dies konnte sogar seine engsten Vertrauten treffen. Sein autokratischer Herrschaftsstil war äußerst unbeliebt.

So war es nicht verwunderlich, dass er schließlich selbst einem Anschlag zum Opfer fiel: Ein gewisser Stephanus versteckte einen Dolch in einer Schiene am Arm. Diese hatte er vorher schon einige Tage getragen, um keinen Verdacht zu erregen. In einem Zweikampf, der erst entschieden wurde, als weitere Verschwörer sich einmischten, wurde der Kaiser schließlich getötet. Trauer herrschte nur bei der Armee, der Senat jubelte und die große Masse blieb gleichgültig. Domitian war der erste Kaiser, der der Damnatio memoriae anheimfiel, was bedeutete, dass im ganzen Reich nichts an ihn erinnern durfte.

Victoria Straub 10a, Moritz Vogt 10b

Diplomat im Kaisergewand: Hadrian

Auf diesem Bild ist die Büste von Kaiser Hadrian im Limesmuseum zu sehen
(© ALM)

Lässt sich Herrschaft mit Diplomatie vereinbaren? Durchaus! Es war das Jahr 117 n. Chr., als Hadrian den römischen Thron bestieg. Er folgte seinem Adoptivvater Trajan und war somit der erste Herrscher Roms, der nicht aufgrund seines Geburtsrechts, sondern durch Adoption an die Macht gelangte. Er lebte von 76 bis 138 n. Chr. Geprägt war seine Herrschaft durch seine exzentrische Art, die wenig Kritik zuließ. Hadrian war aber auch wissensdurstig, tatkräftig und sonnte sich gerne in seinen Taten. Sich zu profilieren war ihm nicht fremd, aber letztendlich kann er auch auf einige positive Veränderungen zurückblicken.

So setzte er sich verstärkt für Frauenrechte ein, die nun endlich selbst entscheiden konnten, wen sie heiraten wollten. Hadrian war zudem mehr an einer Festigung und Grenzsicherung des römischen Reiches interessiert als an einer Vergrößerung des Reiches durch Kriege. So entstand unter anderem der nach ihm benannte Hadrianswall in England. Diplomatie stand für ihn im Vordergrund und er blieb vielen als Friedensherrscher in Erinnerung. Unvergessen war sicher auch der Umstand, dass er der erste bekennende Homosexuelle war. Hadrian liebte nicht nur seinen langjährigen Lebenspartner Antinoos, sondern auch die Kunst und die Wissenschaft. Sein Wirken zeigt auch heute noch, dass man nicht nur mit kriegerischer Konfrontation etwas erreichen kann. Seine weltoffene Art und vielseitigen Interessen sollten uns ein Beispiel sein.

Isabella Raspe, Kim Weber, 10a

Das Interview mit Kaiser Hadrian

Ein Mann der Veränderung? – Marc Aurel

Auf diesem Bild ist die Büste von Kaiser Marcus Aurelius (Marc Aurel) im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© ALM)

Engagement für die Schwachen der Gesellschaft – aus unserer heutigen selbstverständlich, zur Zeit der Antike geradezu revolutionär. Genau dafür setzte sich der im Jahr 121 geborene Marc Aurel ein, einer der letzten großen Stoiker. Der Versuch, jene Ziele durch die Umsetzung seiner philosophischen Ideale der Freiheit und Gleichberechtigung zu verwirklichen, scheint dem ihm verliehenen Titel des Philosophen auf dem Kaiserthron gerecht zu werden. Dennoch trüben fragwürdige Aktionen das Bild: Christenverfolgungen, außenpolitisches Versagen, militärische Inkompetenz.

Fairerweise gilt zu sagen, dass sich während seiner Herrschaft Katastrophen außerhalb seines Einflusses ereigneten, etwa die Antoninische Pest und eine Überschwemmung des Tibers. Dennoch führte sein militärisches Versagen zur Destabilisierung der Grenzen und Verschlimmerung der Hungersnöte. Eine kontroverse Persönlichkeit also, ein Mann der Veränderung, positive wie negative. Ein Philosoph, dem die Last der Verantwortung eines Kaisers viel abverlangte, vielleicht zu viel, mit dem die goldene Ära Roms endete. Was Marc Aurel uns dennoch nahebringt: Ein Herrscher sollte dem Volk dienen und ist keineswegs unfehlbar.

Madita Mühlberger, Elias Malisi 10a

Das Interview mit Kaiser Marc Aurel

Brudermörder und Thermenbauer: Caracalla

Auf diesem Bild ist die Büste von Kaiser Caracalla im Limesmuseum Aalen zu sehen.
(© ALM)

Der römische Kaiser Caracalla herrschte von 211 bis 217 n.Chr. Der Name Caracalla leitete sich von seinem Kapuzenmantel ab. Rombesucher können noch heute die unter seiner Herrschaft erbauten Caracallathermen bewundern. Caracalla war der Nachfolger seines Vaters Septimius Severus, des Begründers der Severischen Herrscherdynastie. Ursprünglich trat er die Herrschaft zusammen mit seinem Bruder Geta an, den er aber nach kurzer Zeit in eine Falle lockte und im Beisein seiner Mutter ermordete. Es folgte eine Hinrichtungswelle, in der er 20 000 (vermeintliche) Anhänger seines Bruders ermorden ließ.

Ein weiteres Beispiel seiner Grausamkeit war ein Massaker unter den Einwohnern Alexandrias, von denen er sich verspottet fühlte. Caracalla stützte seine Macht hauptsächlich auf die Armee. Er führte mehrere Feldzüge, unter anderem gegen die Germanen und Parther und nahm dabei die gleichen Strapazen auf sich, wie die einfachen Soldaten. Im Jahr 217 wurde er im Rahmen einer Verschwörung ermordet. Caracalla war ein grausamer Herrscher, der aber auch dafür berühmt ist, dass er allen freien Bewohnern des römischen Reichs das römische Bürgerrecht verlieh, womit sich die rechtliche Stellung und die Aufstiegschancen vieler Einwohner des Reichs deutlich verbesserten.

Johannes Kürz, Katerina Severin 10a

Das Interview mit Kaiser Caracalla